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Kulturwissenschaftliche Fakultät

Lehrstuhl für Schulpädagogik – Prof. Dr. Fabian Dietrich

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Forschung

Die am Lehrstuhl betriebene Forschung richtet sich auf verschiedene Fragen der Schul-, Profession(alisierung)s- und Unterrichtsforschung. Kennzeichnend sind dabei empirisch-rekonstruktive bzw. sinnverstehende Perspektiven. Fokussiert werden insbesondere Aspekte der gegenwärtigen, vielschichtigen und z.T. tiefgreifenden Reformen im Schulsystem und damit einhergehende Infragestellungen tradierter Handlungs-, Deutungs- und Legitimationsmuster im Schulischen. Verbunden mit dem Anspruch das Zusammenspiel von transformativen Momenten und Beharrungskräften in den Blick zu nehmen, richtet sich die Forschung auf eine Aufklärung der institutionellen und organisationalen Verfasstheit von Schule und damit auf eine wirklichkeitswissenschaftlich fundierte Bearbeitung schultheoretischer Problemstellungen.

Fall- und Forschungswerkstatt Rekonstruktive Schul- und UnterrichtsforschungEinklappen

Fall- und Forschungswerkstatt rekonstruktive Schul- und Unterrichtsforschung

mittwochs 16-19 Uhr
Die Fall- und Forschungswerkstatt richtet sich auf die sinnverstehende Erschließung unterschiedlicher
empirischer Datenmaterialien und dient damit verbunden der Diskussion laufender Forschungsprojekte
sowie der methodischen und theoretischen Unterstützung von Qualifikationsarbeiten. Die Werkstatt möchte
damit einen Beitrag zum fachlichen Austausch und zur Methodenausbildung von Studierenden leisten. Sie
steht allen Interessent*innen offen.


Programm (Stand Dezember 2022) siehe PDF

Aktuelle ProjekteEinklappen

SchiK – Schule(n) in der Krise

Laufzeit: seit August 2020

Beteiligt: Prof. Dr. Fabian Dietrich, Dr. Nele Kuhlmann, Dr. Christiane Faller, Julia Spitznagel

Finanzierung: Eigenmittel

Die wiederholten pandemiebedingten Schließungen der Schulen, die partielle und vorübergehend auch komplette Umstellung von Präsenz- auf Fernunterricht sowie Einschränkungen und Umstellungen des schulischen Alltags bedingen für alle Beteiligten große Herausforderungen und Infragestellungen tradierter Handlungs- und Deutungsmuster. Lehrerinnen und Lehrer sehen sich mit der paradoxen Anforderung konfrontiert, ihre berufliche Tätigkeit in völlig neuer Form weiterzuführen. Gleichzeitig sieht sich das Schulwesen einer besonderen öffentlichen Beobachtung ausgesetzt und mit Fragen konfrontiert, wie mit den neuen Situationen ad hoc und darüber hinaus umgegangen werden kann und soll.

Hier setzt das Projekt „Schule in der Krise“ an, das sich auf Rekonstruktion schulischer Umgangsweisen mit der Situation richtet. Dabei wird insbesondere danach gefragt, wie sich die Situation in der Perspektive von Lehrer*innen darstellt. Das Projekt richtet sich auf eine sinnverstehende Erschließung berufskultureller Deutungen, Formen der Bewältigung der Situation und darauf bezogener kollegialer Aushandlungsprozesse.

Ausgehend von der Überlegung, dass diese nur vor dem Hintergrund von auf Schule und Lehrer*innen gerichteten Erwartungen zu verstehen sind und Berufskultur „nicht allein von innen her, vom Berufsfeld und den Berufsinhabern selbst, sondern auch von außen her, das heißt durch die sie umgebende gesellschaftliche Kultur geprägt“ (Terhart 1996, S. 463) wird, werden ergänzend dazu ministerielle Verordnungen, Erlasse und Briefe aus ausgewählten Bundesländern analysiert. Diese werden vergleichend daraufhin untersucht, mit welchen Erwartungen, Vorgaben und ggf. Unterstützungsangeboten Schulen und Lehrer*innen adressiert werden.

Projektinformationen: SchiK – Informationen für Projektteilnehmer*innen


Fachliche und kulturelle Diversität in Schule und Universität (Qualitätsoffensive Lehrerbildung)

Laufzeit: April 2020 – Dezember 2023

Beteiligt: Gesamtleitung: Prof. Dr. Volker Ulm (ZfL), Projektleitung am Lehrstuhl für Schulpädagogik: Prof. Dr. Fabian Dietrich, Projektmitarbeit: Julia Spitznagel

Finanzierung: Gefördert im Rahmen der Qualitätsoffensive Lehrerbildung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BmBF)

Das im Rahmen der vom Bundesministerium für Bildung und Forschung initiierten „Qualitätsoffensive Lehrerbildung“ geförderte Projekt richtet sich auf eine phasenübergreifende Weiterentwicklung und Profilierung der Lehrer*innenausbildung entlang der Foki „Fachliche und kulturelle Diversität in Schule und Universität“. Die Gesamtleitung des Projektes liegt beim Zentrum für Lehrerbildung der Universität (Prof. Dr. Volker Ulm).

Der Lehrstuhl für Schulpädagogik beteiligt sich am Projekt vor dem Hintergrund der Beforschung „schulischer Inklusion“, der Bedeutung von Fachlichkeit im Schulischen sowie (multi)professioneller Kooperation bzw. Handlungskoordination u.a. über die Koordination des Arbeitsfeldes „Forschung“ und die Leitung des im Rahmen der Qualitätsoffensive verorteten Graduiertenkollegs "Diversität in Bildungsprozessen".


ViKasiL – Videographische Kasuistik in der inklusionsorientierten Lehrer*innenbildung (RUB)

Laufzeit: August 2019 – April 2021

Beteiligt: Projektleitung: Prof. Dr. Fabian Dietrich, Projektmitarbeit: Dr. Christiane Faller

Finanzierung: Gefördert im Rahmen der Förderlinie ‚Inklusionsorientierte Ausbildungsanteile im Master of Education‘, PSE Ruhr-Universität Bochum

Bislang findet das Thema „Inklusion“ und damit verbunden die Heterogenität und Diversität von Schülerinnen und Schülern in der universitären Lehramtsausbildung für die Sekundarstufen I und II meist nur geringe Berücksichtigung. Insoweit „Inklusion“ in Lehrveranstaltungen aufgegriffen wird, dominieren bislang programmatische und konzeptionelle Zugänge. So wichtig eine Auseinandersetzung mit Sollens-Vorstellungen sind, drohen auf dieser Betrachtungsebene die sich erst in deren Umsetzungen im institutionellen und organisationalen Rahmen der Schule zeigenden Herausforderungen aus dem Blick zu geraten. Damit zusammenhängend werden bislang die sich in der schulischen Praxis etablierenden Umgangsweisen meist allein unter der Fragestellung betrachtet, inwieweit diese den jeweils zugrunde gelegten konzeptionellen und programmatischen Vorstellungen von Inklusion entsprechen. Eine systematische wirklichkeitswissenschaftliche Betrachtung von Inklusion, welche die Eigenlogik inklusiver Praxis im institutionellen Kontext Schule ernst nimmt, stellt damit eine Leerstelle dar. Das Projekt zielt darauf, diese für die Bochumer Lehramtsausbildung zu schließen. Dabei stehen zwei Fragestellungen im Mittelpunkt:

  • Welche handlungspraktischen Herausforderungen und Schwierigkeiten impliziert „Inklusion“ in der handlungspraktischen Umsetzung?
  • Welche Formen des Umgangs mit diesen haben sich (ob nun unter Bezugnahme auf elaborierte pädagogische und didaktische Konzepte oder jenseits dieser) in der Praxis etabliert und bewährt?

Im Sinne der Zielsetzung und der genannten Fragestellungen steht zunächst eine videographische Dokumentation von Unterricht in Schulen und Schulklassen mit inklusivem Selbstverständnis im Mittelpunkt des Projektes. Daran anschließend wird die Arbeit mit auf dieser Basis erstellten Videovignetten in der Lehre erprobt und evaluiert.


SiS – Selbsttests in Schulen

Laufzeit: seit August 2021

Beteiligt: Dr. Angela Bauer, Julia Kraupner (studentische Hilfskraft)

Finanzierung: Eigenmittel

Die nun schon fast zwei Jahre andauernde Pandemie konfrontiert(e) die Schulen mit einer neuen Situation und stellt alle Akteur*innen vor große Herausforderungen. Neben didaktischen und unterrichtsorganisatorischen Veränderungen des Distanz- und Wechselunterrichts gab es unterschiedliche pandemiebezogene Praktiken der Infektionskontrolle (Selbsttestungen, Anwendung von AHA-Regeln, Lüftungsplänen, Maskenpflicht und Klassenzentrierung).

Bislang liegen keine erziehungswissenschaftlichen Untersuchungen vor, die sich mit Fragen zur schulischen Praxis dieser Maßnahmen zur Aufrechterhaltung des Schulbetriebs beschäftigen. Das Projekt fokussiert insbesondere auf die Selbsttestung an Schulen. Hier gab es vor allem zu Beginn der Pandemie medizinisch orientierte wissenschaftliche Begleitstudien, die sich auf technische und testtheoretische Aspekte bezogen und sich für die Anzahl ausgegebener Tests, Probleme bei der Durchführung oder die Zahl von richtig und falsch positiven Ergebnissen interessierten. Diese Erkenntnisse geben jedoch kaum Aufschluss über die Praxis des Testens bzw. die Orientierungen und Bearbeitungen der Akteure. Die eigene Studie zu Selbsttests in Schulen (SIS) widmet sich diesem Forschungsfeld und interessiert sich entlang einer ethnografischen Forschungshaltung für die Eigenlogiken der Testpraxis an den Schulen und deren pädagogischen Deutungen. Dabei werden neben ethnografischen Feldprotokollen und Interviews mit Beteiligten auch ministerielle Schreiben sowie weitere Materialien wie beispielsweise Erklärvideos, die im Zusammenhang mit der Testung in Schulen erstellt werden und wurden, sequenzanalytisch interpretiert und auch insbesondere auf die Fragen untersucht, in welcher Form Schüler*innen in der Pandemie adressiert werden und welchen Normsetzungen und Positionierungen der Kommunikation zur Selbsttestung eingeschrieben sind.

Laufende PromotionsprojekteEinklappen

Die multi-professionelle Arbeitsteilung von Sorgearbeit in Ganztagsschulen - Eine rekonstruktive Studie über die unterschiedlichen Modi von schulpädagogischer (Für-)Sorgearbeit in der Ganztagsschule (Promotionsprojekt im Rahmen der Qualitätsoffensive Lehrerbildung)

Julia Spitznagel, M.A.

Ziel des Promotionsvorhabens liegt in der Untersuchung von schulpädagogischer Beziehungsarbeit, die als (Für-)Sorgetätigkeit (engl. care work) innerhalb von multi-professionellen Teams in der Institution Schule vollzogen wird. Anliegen der Arbeit ist es, unterschiedliche Modi und Dynamiken von (für-)sorgenden Tätigkeiten im Feld der Schulpädagogik herauszuarbeiten und zu typisieren. Die Etablierung von Ganztagsschulen und die kontinuierlichen Veränderungen im Schulsystem gehen mit einer zunehmenden Ausdifferenzierung der Personalstruktur an Schulen einher: Sowohl Sozialpädagog*innen, Sozialarbeiter*innen, Sonderpädagog*innen, Erzieher*innen, Schulhelfer*innen als auch Beschäftigte auf Honorarbasis und ehrenamtliche Angestellte werden an Ganztagsschulen beschäftigt und prägen die multi-professionelle sowie schulpädagogische Zusammenarbeit. Ziel des Promotionsvorhabens ist es, die ‚sorgende‘ Tätigkeit und die multi-professionelle Organisation ebendieser rekonstruktiv zu untersuchen.


Schulleitungen im Zielvereinbarungsprozess:
Handlungsleitende Orientierungen als Nacherfindungen institutioneller Zielvereinbarungen (Arbeitstitel)

Juliane Keitel

Institutionelle Zielvereinbarungen gehören zum Instrumentarium der sog. Neuen Steuerung, das seit Anfang der 2000er Jahre Eingang ins Schulsystem fand. An Zielvereinbarungen, die im Anschluss an eine externe Evaluation zwischen Schule und Schulaufsicht geschlossen werden, richten sich hohe bildungspolitische Erwartungen; unter anderem sollen sie die Weiterarbeit mit den Evaluationsberichten an den Schulen anregen und Hierarchien zwischen Schulaufsicht und Schulen abbauen. Vor allem Schulleitungen sind vor die Aufgabe der Rekontextualisierung gestellt, um das Instrument anschlussfähig an die schulische Praxis zu gestalten.

Mithilfe der Dokumentarischen Methode rekonstruiere ich in meinem Projekt die handlungsleitenden Orientierungen von 20 Schulleitungen unterschiedlicher Schularten, mit denen ich Interviews zum Zielvereinbarungsprozess geführt habe. Ziel ist es, sinngenetische Typen zu bilden, die Auskunft über die Art und Weise der Rekontextualisierung bzw. Nacherfindung von Zielvereinbarungen geben können.

Das Promotionsprojekt ist unter Erstbetreuung durch Prof. Dr. Fabian Dietrich an der Fakultät für Philosophie und Erziehungswissenschaft der Ruhr-Universität Bochum verortet.


Verantwortlich für die Redaktion: Prof. Dr. Fabian Dietrich

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